Wir haben den Buchklub Lipsia im März 2024 in Leipzig gegründet und seitdem 22 Bücher gelesen und besprochen. Unsere Treffen finden immer am ersten Wochenende des Monats in einem Café in Leipzig statt.

Aktuelle Lektüre

Das Jahr magischen Denkens 

Joan Didion (2021)

vorgeschlagen von: Edisa, Mai 2026

Letzte Lektüre

Oder: Alle Lektüren einsehen …

Tschudi 

Mariam Kühsel-Hussaini (2021)

1.50

vorgeschlagen von: Katharina, April 2026

Meinungen der Mitglieder

Stefan (2 / 5)

Was wollte die Autorin mit Tschudi eigentlich schreiben? Laut Klappentext ist es ein Roman, manche Bibliotheken wiederum ordnen das Werk als Biografie ein. Für mich lässt sich das Buch am ehesten als ein Sprachkunstwerk beschreiben. Und genau darin liegt schon die große Problematik mit dem Buch. Es entzieht sich einer klaren Einordnung. Roman, Biografie und Sprachkunst sind zwar alle vorhanden, doch keiner dieser Aspekte überwiegt wirklich. Dadurch bleibt das Buch in einem Zwischenraum zwischen den Genres hängen.
Der Konflikt zwischen Tschudi und dem Kaiser hätte eigentlich großes Potenzial für eine spannende Handlung geboten. Die Autorin erzählt diese jedoch nur fragmentarisch, in teils verwirrenden Ausschnitten und Kapiteln. Auch der biografische Anteil bleibt oberflächlich. Zwar begleitet man Hugo während seiner Zeit als Direktor der Nationalgalerie, tiefere Einblicke in seine Persönlichkeit oder persönliche Entwicklung fehlen jedoch. Und gerade weil mich weder der Roman-, noch der Biografieaspekt vollständig überzeugen konnten, wirkt das Buch für mich am stärksten dort, wo es sich als Sprachkunstwerk entfaltet. In diesen Kapiteln werden durch intensive Beschreibungen Szenerien und ihre Atmosphäre gezeichnet, wodurch Sprache und Darstellung deutlich in den Vordergrund rücken, während die eigentliche Handlung eher in den Hintergrund tritt. So gerät die fehlende Tiefe und Spannung der Handlung zumindest zeitweise in den Hintergrund.
Insgesamt wirkt es für mich so als habe die Autorin versucht zu viele literarische Ansätze in einem Werk vereinen zu wollen und ist daran gescheitert. Dadurch findet das Buch nie zu einer eigenen klaren Form und kann den Leser eigentlich nur enttäuscht zurücklassen.

Giulia (1 / 5)

Trotz vielversprechender Thematik kam ich einfach nicht über den schwülstigen inhaltsleeren Schreibstil hinweg, in dem die Autorin es sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, so viele Adjektive wie möglich hinein zu stopfen. Davon abgesehen hat das Buch aber sonst auch nichts zu bieten. Die Charaktere werden überhaupt nicht ausgearbeitet und auch die Handlung bleibt oberflächlich und inkohärent. Ich kam beim Lesen aus dem Augenrollen gar nicht mehr raus und kann es leider wirklich niemanden empfehlen.