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Die Langsamkeit ↗
Milan Kundera (1994)
vorgeschlagen von:
Bruno, Juli 2026
Meinungen der Mitglieder
Dieser kurze Roman war ein riesiges Lesevergnügen, ein endloses Aufs-Kreuz- legen verschiedener Typen und nicht zuletzt in seiner kreativen Vulgarität sehr spaßhaft.
Die Langsamkeit von Milan Kundera ist ein Buch der Schnelligkeit. „Ein Buch der Schnelligkeit?“, fragt mich der Gelehrte, der mir gegenübersitzt. „Vielleicht. Aber auch ein Buch der Trinität: Chevalier, Vincent und Milan; Madame de T., Julie, Vera. Es ist ein Buch über die Verführung, über Tänzer und das Schreiben selbst. Ist es ein Roman? Sind es Essays? Was ist es für ein Buch? Was ist es für ein Buch?“ Für mich ist das Buch ein Roman, der im Verlaufe seiner selbst immer schneller wird, ab der Hälfte aufdreht, getränkt in Erinnerung und Vergessen, und die Charaktere durchdrehen in ihrer eigenen Vulgarität, die von Seite zu Seite manchmal passend-witzig, manchmal aber auch übertrieben und unangenehm erscheint. Tut das der Qualität des Buches ab? „Minimal“, antwortet der Gelehrte, der mir gegenübersitzt.
„Warum nur minimal?“, frage ich.
„Weil die Vulgarität nicht vulgär ist, sondern Teil der kalkulierten Beschleunigung und Groteske des Romans selbst.“
Ich stimme ihm zu und stelle das schnelle Buch über die Langsamkeit zurück in den Schrank.
Für seine überschaubare Länge steckt erstaunlich viel drin. Ganz nette Gedanken zu Hedonismus und zu Narzissmus zum Beispiel. Aber auch ein französischer Chevalier aus dem 18. Jahrhundert und ein tschechischer Fliegenforscher aus der Gegenwart. Kundera selbst bezeichnete es als einen Roman, in dem kein Wort ernst ist. Ernst nehmen sollte man wahrscheinlich also auch nichts und dann kann man von dem Buch eigentlich ganz wunderbar unterhalten werden.