Wir haben den Buchklub Lipsia im März 2024 in Leipzig gegründet und seitdem 19 Bücher gelesen und besprochen. Unsere Treffen finden immer am ersten Wochenende des Monats in einem Café in Leipzig statt.

Aktuelle Lektüre

Malina 

Ingeborg Bachmann (1971)

vorgeschlagen von: Jessica, Februar 2026

Letzte Lektüre

Dreckskerl 

Wojciech Kuczok (2003)

4.17

vorgeschlagen von: Alexander, Januar 2026
übersetzt von Gabriele Leupold und Dorota Stroinska

Meinungen der Mitglieder

Giulia (4.25 / 5)

Ein alterndes Haus im Mittelpunkt, eine schlesische Familie im sozialen Abstieg und ein von seinem Vater mit sehr viel Gewalt terrorisierter Sohn. Vielleicht eine weit hergeholte Assoziation, aber für mich hatte das Buch etwas vom südamerikanischen magischen Realismus. Nur in kalt, grau und polnisch. Eigentlich auch wenig Magie und viel Realismus. Dafür aber exzentrische Charaktere und ein surrealistisches Traum-Ende. Und Einiges an skurriler Absurdität, die Humor in etwas gebracht hat, wo man keinen Humor erwarten würde.

Malte (4 / 5)

»Dreckskerl« ist ein Buch über Gewalt. Der Patriarch »alter K.« terrorisiert seinen Sohn mit physischer und psychischer Gewalt schrecklichen Ausmaßes, die Frau mindestens mit ähnlich brutaler psychischer Gewalt. Gespickt sind die eindrücklichen Schilderungen dieser Gewalt mit unerwartet lustigen Absurditäten, wie einer Schule, an der sich nur durch Spucken unterhalten wird. Das Buch endet mit einer surrealistischen Katastrophe, alle Fragen sind offen; vorrangig: Wessen Biographie hat der Leser nun eigentlich gelesen? und wieso ist das Buch eine (Anti-)Biographie? Nicht zuletzt darüber konnte der Buchklub ausgiebig diskutieren. Auffallend ist jedenfalls: Von allen vorkommenden Figuren erfährt der Leser am wenigsten über den Ich-Erzähler, der in seiner eigenen Biographie (?) scheinbar eine Nebenrolle spielt – vielleicht, weil er in seiner von Gewalt beherrschten Kindheit nicht die Möglichkeit hatte, vom Objekt zum Subjekt zu werden … wie gesagt: alle Fragen offen.

Alexander (4.25 / 5)

Sprachgewalt – das ist das Wort, welches mir beim Lesen in den Sinn gekommen ist und immer noch meine Wahrnehmung dieses besonderen Romans prägt. Die meisterhafte Sprache führte oft dazu, dass ich angesichts der schier unerträglichen Gewalt am Erzähler innehalten musste. Andererseits waren immer wieder Dialoge und ganze Szenen von einer so absurden Komik geprägt, dass ich mir ein Lachen nicht verkneifen konnte – dieser Gegensatz zog sich durch das gesamte Buch. Es fällt mir schwer, auf den Punkt zu bringen, was mir an dieser thematisch schweren Lektüre so gefallen hat, vielleicht auch, weil viele Aspekte offen bleiben … jedenfalls möchte ich K. (uczoks) Antibiographie noch einmal lesen und mir weitere Gedanken zu ihr machen.