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Die Langsamkeit
Milan Kundera (1994)
vorgeschlagen von:
Bruno, Juli 2026
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Die Langsamkeit
Milan Kundera (1994)
vorgeschlagen von:
Bruno, Juli 2026
Nahe dem wilden Herzen
Clarice Lispector (1943)
vorgeschlagen von:
Giulia, Juni 2026
Meinungen der Mitglieder
Die Autorin als brasilianische Virginia Wolf und das Buch als Gesellschaftskritik betitelt, war es doch sehr anders als ich erwartet hatte. Wo Virginia Wolf auch viel auf externale Wahrnehmungen eingeht, bezieht sich Clarice Lispector fast ausschließlich auf internale Reflexionen. Ich hab mich beim Lesen von Szene zu Szene gerettet und bin zwischendurch im Wirbel des Bewusstseinsstrom umhergeworfen worden. Verstehen konnte ich hier das meiste nicht. Zwischen euphorischen Glücksgefühlen und tiefster Traurigkeit folgt man der Protagonisten bei ihrem Versuchen mit ihrer Kindheit abzuschließen, sich selbst zu verstehen und ihre Position in Abgrenzung zu anderen zu finden. Ob es ihr gelungen ist, hat mich das verwirrende Ende nicht durchblicken lassen. Ich drück ihr aber die Daumen!
Mein Lesevergnügen war bei dieser radikal introspektiven Lektüre durch meine kulturelle und persönliche Ferne zur Erzählerin stark eingechränkt.
In „Nahe dem wilden Herzen“ spiegelt eine junge Autorin ihre eigene Gefühlswelt und Befangenheit in der Protagonistin Joana wider. Mit starker Metaphorik beschreibt sie ihre Gedankenwelt, wobei die reine Zustandsbeschreibung und ihre wechselhaften Gefühle im Vordergrund stehen.
Was zu ihrer Zeit als radikale Subjektivierung der Literatur ein gefeiertes Werk gewesen sein mag, erweist sich aus heutiger Sicht jedoch als schwere Kost. Bis zum Schluss konnte ich keinen wirklichen Zugang zur Protagonistin/Autorin finden. Durch die starke Metaphorik in den Sätzen war für mich oft kaum nachvollziehbar, was in den einzelnen Absätzen eigentlich ausgesagt werden sollte. Diese dauerhaften, abstrakten Beschreibungen wirken mit fortschreitender Seitenzahl zunehmend ermüdend. Dass das Buch am Ende dann auch noch weder eine Lösung noch eine tiefere Erkenntnis bietet, enttäuscht zusätzlich. Ein solch klassischer Aufbau war wahrscheinlich aber auch nie das Ziel dieser Niederschrift.
Schlussendlich erschließt sich mir nicht, warum man dieses Buch lesen sollte, es sei denn, man interessiert sich speziell für das Innenleben der Autorin zu einem bestimmten Zeitpunkt. Ich kann mir jedoch gut vorstellen kann, dass diese Niederschreibung der Autorin selbst geholfen hat. Von mir gibt es leider keine Leseempfehlung.